Jürg Ewald † (1938–2025)
Reto Marti (Kantonsarchäologe, Leiter Archäologie und Museum Baselland), 2. April 2026Am 18. September 2025 ist Jürg Ewald verstorben. Ohne langes Leiden durfte er – nach seinen eigenen Worten – «abtreten», wie die Traueranzeige der Angehörigen vermeldet. «Lieber zu früh als zu spät», war auch in dieser Lebenslage sein fester Entschluss. Mit Jürg Ewald verliert die Baselbieter Museumsszene einen ihrer herausragenden Vertreter und Förderer. Wer ihn kannte, wird auch seinen sprühenden Geist und seinen unwiderstehlichen Wortwitz vermissen.
Jürg Ewald ist in Liestal zur Welt gekommen, als fünftes von acht Kindern. Nach der Primar- und Realschule wechselte er ins Gymnasium und schliesslich an die Universität Basel. Dem Mittellehrerdiplom mit Latein, Deutsch und Geschichte folgte das Studium der Prähistorischen und Provinzialrömischen Archäologie, das er 1968 abschloss.
Der erste Baselbieter Kantonsarchäologe
1961/62 war Jürg Ewald – noch als Grabungspraktikant – massgeblich an der Entdeckung des berühmten Silberschatzes von Kaiseraugst (Kt. Aargau) beteiligt, einem der grössten spätantiken Silberhorte des römischen Reiches. 1964/1965 untersuchte er – weitgehend im Einmannbetrieb – die Kirche St. Peter und Paul in Oberwil. Der anschliessend veröffentliche Bericht setzte neue Massstäbe in der Kirchenarchäologie der Nordwestschweiz. Nach Abschluss seines Studiums wurde Ewald – offiziell seit 1971 – der erste Baselbieter Kantonsarchäologe. Er baute die Kleinst-Dienststelle «Kantonsmuseum und Altertumsschutz» zum vielköpfigen «Amt für Museen und Archäologie» aus (1976), inklusive Römermuseum und Ausgrabungen Augst/Kaiseraugst. In den besten Jahren standen rund 100 Mitarbeitende in seinem Amt im Einsatz, darunter ein ganzes Heer studentischer Hilfskräfte. Besonders hervorzuheben sind in Ewalds archäologischer Laufbahn die zahlreichen Kirchengrabungen sowie eine ganze Reihe von Ausgrabungen in mittelalterlichen Burgruinen. Eine Bilanz seines reichen archäologischen Schaffens zog er gemeinsam mit seinem akademischen Adjunkten Jürg Tauber in der Ausstellung «Tatort Vergangenheit», kurz vor seiner Pensionierung Im Dezember 1998. Auch eine Festschrift, dargereicht von seinen Mitarbeitenden, ist zu diesem Anlass erschienen.

Bild: Jürg Ewald mit charakteristischer «Brissago» bei Ausgrabungen 1994 in der Kirche von Ettingen. Foto: Archäologie Baselland
…und Leiter des Kantonsmuseums
Jürg Ewald bleibt uns aber nicht nur als äusserst erfolgreicher Archäologe in Erinnerung. 1970 übergab ihm sein Vorgänger Paul Suter die Leitung des kantonalen Museums. Auch hier wurden Studierende beigezogen, um Sammlungsbestände zu inventarisieren und aufzuarbeiten. Parallel dazu wurde die Restaurierungsabteilung ausgebaut, die 1981 mit Teilen der Sammlungen an die Frenkendörferstrasse in Liestal umzog. 1975 erwarb das Kantonsmuseum die Seidenbandsammlung der Firma Seiler & Co. Damit war der Grundstein gelegt für das zentrale Baselbieter Kulturerbe-Thema der Seidenband- und Textilindustrie. 1979 wurde das in die Jahre gekommene Museum im Regierungsgebäude geschlossen und 1984 mit der ersten Dauerausstellung zur Bandweberei im frisch renovierten und für museale Zwecke neu ausgestatteten «Museum im alten Zeughaus», dem heutigen Museum.BL, feierlich wiedereröffnet. 1986 folgte die zweite Dauerausstellung «Steinbruch, Wald und Magerwiese» (Naturgeschichte), 1988 «Spuren von Kulturen» – im Laufe der Jahre begleitet von vielen, vielen Sonderausstellungen. 1995/96 kam es zu einer ersten trinationalen Kooperation mit der Ausstellung «Nach dem Krieg/Après la guerre». Zudem wurde der «Museumsapéro» eingeführt, die heutige «Museumsbar», eine äusserst beliebte öffentliche Vortragsreihe im lockeren Rahmen. 1997 folgten Shop und Café im neuen Museumsfoyer und eine erste Museumswebsite.

Bild: Jürg Ewald fährt an der Vernissage zur Ausstellung «A walk on the wild side» (1998) mit einer Harley auf die Bühne. Foto: Archäologie und Museum Baselland
Engagement für die Baselbieter Museen – und für Vieles mehr
Eine besondere Herzensangelegenheit war Jürg Ewald die Aufwertung und Vernetzung der Baselbieter Museumslandschaft und ihrer wertvollen Sammlungsbestände. So engagierte er sich für eine Professionalisierung der Museumsarbeit, unter anderem als langjähriger Präsident der Stiftung Museen Basel-Landschaft (1998–2015). Auch das Kulturgüternetzwerk KIM.bl und der darauf basierende Verbund Museen Baselland wurden in ihrer Aufbauphase von der Stiftung mit namhaften finanziellen Beiträgen unterstützt. Noch auf Ewalds Todesanzeige figurierte die Stiftung als Adressatin für allfällige Spenden.
Jürg Ewald wirkte in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufbruchs, in der die Leistungen der kantonalen Verwaltungen stark ausgebaut und professionalisiert wurden. Er hat diese Chance mit immensem Elan gepackt, dabei auch den Konflikt mit seinen Vorgesetzten und dem Verwaltungsapparat alles andere als gescheut und unglaublich viel geschaffen – letztlich die Grundlagen, auf denen grosse Teile des Amts für Kultur heute noch bestehen. «Der Ewald» war eine weit über das Baselbiet hinaus bekannte Grösse in Politik, Öffentlichkeit und Forschung. Als Chef war er der gute Kollege, der uns Mitarbeitende mitriss, uns den Rücken freihielt und so manches «Unmögliche«» möglich machte, immer mit diesem so typischen guten Humor, souverän, geistreich, beherzt und motivierend. Er wird uns unvergessen bleiben!

«KEINE KOPIE AN NIEMAND!» Festschrift zu Ewalds sechzigstem Geburtstag, erschienen 1998 als Band 39 der Reihe «Archäologie und Museum». Foto: Marcel Eckling